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A.R. & MACHINES

A.R. & MACHINES

11.04.2018 - Köln

The Art of German Psychedelic

Manchmal hilft der Zufall. Anfang 1970 stöpselt Achim Reichel seine Gibson Firebird in sein funkelnagelneues Tonbandgerät Akai X-330D, um eine kurze Melodie als Memo aufzunehmen. Als er sich später die Aufnahme anhört, findet er sich in einem Wald voller Gitarren wieder, denn sein Aufnahmegerät spielt ihm wieder und wieder Echos der kurzen Tonfolge wieder. Ohne es zu ahnen, hat Reichel sein eigenes Spiel geloopt – heute eine gängige Methode, aber 1970 etwas völlig Neues. Der Hamburger Gitarrist spielt seine Entdeckung Musikerfreunden vor und alle sind aus dem Häuschen. Reichel hat mit seinem Effektgerät ein berauschendes Musikerlebnis kreiert. Er holt weitere Musiker in sein Studio, nimmt mehr und mehr Musik auf und findet sogar eine Plattenfirma für die Experimente, mit denen er die engen Grenzen des Drei-Minuten-Popsongs radikal sprengt. 1971 erscheint „Die Grüne Reise“. Reichel, als Sänger und Gitarrist der Beatband The Rattles und der Psychedelic-Popper Wonderland bekannt geworden, gehört plötzlich zu den Pionieren eines Sounds, der später als Krautrock in die Pop-Geschichte eingehen wird.

Unter dem Namen A.R. & Machines bringt Reichel noch eine Reihe weiterer Alben heraus und er stellt eine Band zusammen, die diese ausufernden Echo-Loops live spielt. Mitte der 70er-Jahre ist Reichel diese nicht sehr kommerzielle Elektro-Musik leid und vollzieht die nächste radikale Umkehr mit seinem Shanty-Album und später als Sänger vertonter Lyrik und als Singer-Songwriter mit authentischen Texten. A.R. & Machines wird eingemottet.

Doch die in Vergessenheit geratenen Platten avancieren zu begehrten Sammlerstücken und bekommen Kultstatus. Der britische Musiker Julian Cope schreibt über Reichel in seinem Buch „Krautrocksampler“ eine Eloge, ohne dass dieser davon erfährt. Es häufen sich Anfragen bei ihm, diese Schätze wieder zu veröffentlichen. 2007 legt er „Die Grüne Reise“ und andere Alben der A.R. & Machines nach mal neu auf. 2010 taucht Achim Reichel & Machines in der Augustausgabe im britischen „Uncut“-Magazin in einer Story über große verloren gegangene Alben auf. „ECHO“, 1972 bei Polydor erschienen, rangiert auf Platz 12 dieser Liste mit „50 great lost albums“.

Die Nachfrage nach diesen Werken, die mit den Etiketten Ambient, Trance, Psychedelic und Krautrock versehen werden, reißt nicht ab. In den vergangenen zwölf Monaten hat Achim Reichel sich daran gemacht, altes Material zu sichten. Im September wird eine Box mit den fünf regulären Studio-Alben, zwei Live-CDs und drei Bonus-CDs mit restaurierten Fundstücken aus seinem Bandarchiv erscheinen. Und Reichel wird sich am 15. September erneut auf Die Grüne Reise begeben. „The Art Of German Psycedelic“ heißt der Abend, an dem die Klangexperimente in der Elbphilharmonie Wiederauferstehung feiern werden. Für dieses Konzert hat Reichel eine Band zusammengestellt, zu der unter anderem der Perkussionist Olaf Casalich gehört, der schon in den 70er-Jahren für A.R. & Machines getrommelt hat. Als weitere Musiker werden Nils Hoffmann (Keyboards, Gitarre), Achim Rafain (Bass), Yogi Jockusch (Perkussion) und Stefan Wulff (Livemix) mit von der Partie sein.

Frank Dostal, lange Reichels Partner bei etlichen seiner Projekte, schreibt 1971 über „Die Grüne Reise“: „Die Grüne Reise ist das erste hörbare Ergebnis einer neuen Auffassung von Musik. Wer sie hört, wird inspiriert: Optisch-akustische Visionen werden geformt, Klänge wiedergeboren, Aggressionen gelöst. Neue Gespräche. allein, mit anderen – ohne Sentimentalitäten. Revolutionsfern. Es wird empfohlen, diese Platte zu Massenveranstaltungen, Acid-Feten, Sound-Demonstrationen, euphorischen Höhenflügen, Liebesvereinigungen, politischen Veranstalten und als Filmmusik zu spielen.“ Ein halbes Jahrhundert sind diese multiplen, rhythmisierten Echo-Loopings alt. Doch sie klingen wie ein Sound-Entwurf der Gegenwart.

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